Adrian Haase über die EU Inc. als Chance für Europa, Änderungsbedarf im GmbHG und die für ihn schönste Stadt der Welt.
Dr. Adrian Haase ist Rechtsanwalt und Partner bei YPOG in Hamburg. Er berät Fonds, Konzerne und wachstumsorientierte Unternehmen im Bereich Gesellschaftsrecht mit einem Schwerpunkt auf M&A- und Venture-Capital-Transaktionen. Vor seinem Wechsel zu YPOG war er bei SMP und Flick Gocke Schaumburg. Für LTO Most Wanted hat ihn Henning Kölsch nominiert.
Mein Getränk und meine Bar:
Ein kaltes Bier beim Après-Ski oder in einer Strandbar mit Familie & Freunden ist kaum zu schlagen.
Ein Song, ein Buch, ein Ort:
Comptine d’un autre été, l’après-midi weckt schönste Erinnerungen an meine Hochzeit, in die Selbstbetrachtungen von Marc Aurel schaue ich immer wieder gerne mal rein und ob mich O‘ahus North Shore jemals wieder ganz loslässt, wage ich zu bezweifeln.
Mein typischer Freitag:
Lässt oft etwas mehr Raum für strategische Themen als andere Wochentage, da meist weniger akute Mandatsarbeit anfällt. Im Idealfall klingt der Arbeitstag in der "Bar SYD" des Hamburger YPOG-Büros mit Blick über die schönste Stadt der Welt und ihren Hafen aus.
Warum Jura?
Mit dem Studium angefangen habe ich, weil mich die Bucerius Law School als Institut und Ort zum Lernen und "erwachsen werden" gereizt hat. Dabei geblieben bin ich, weil die Verbindung aus komplexen Fragestellungen einerseits und gesellschaftspolitischer sowie wirtschaftlicher Relevanz andererseits sehr motivierend war und ist.
Das erste juristische Problem, das mich heute beschäftigt hat:
Heute Morgen poppte eine private WhatsApp auf – ein Bekannter plant ein neues Projekt/Startup und fragt, ob ich einmal ganz kurz auf einen Letter of Intent schauen kann. Das ist gar nicht so untypisch, die ersten juristischen Probleme des Tages sind meistens privater Natur (wie z.B. ein Parkverstoß auf privatem Grund und Halterhaftung).
An meinem Job mag ich:
Unternehmern mit verschiedenen Perspektiven und Interessen die Strukturierung und Umsetzung eines gemeinsamen Projekts zu ermöglichen, intensiv zu verhandeln und dabei gar nicht mal so selten Lob und Dankbarkeit von meinen Mandanten zu erhalten, ist ein tolles Gefühl.
An meinem Job stört mich:
Dass durch die Fragmentierung der Rechtssysteme transnationale Zusammenarbeit oft komplexer ist, als es die meisten Transaktionen inhaltlich erfordern würden.
Der herausforderndste Moment meiner Karriere:
Venture Capital Transaktionen finden häufig in finanziell angespannter Lage eines Startups statt. Die Gründer haben oft viele Jahre unter Einsatz all ihrer Kraft und finanziellen Ressourcen in das Projekt investiert.
Vor einigen Jahren waren wir als Berater eines Startups mandatiert – am Vorabend des Signings hatten wir die sog. Pre-Execution Versions der Transaktionsdokumente verschickt, allerdings waren noch diverse Themen offen und eine Einigung wirkte unwahrscheinlich. Der Gründer rief mich an und sagte: "Weiter verhandelt wird jetzt nicht mehr. Ich steige morgen früh in die Tram und fahre entweder zum Notariat und unterschreibe die Verträge in der vorliegenden Fassung oder zum Amtsgericht und stelle einen Insolvenzantrag."
Diese Klarheit hat Eindruck auf die Investoren gemacht, nachmittags wurde unterzeichnet und das Startup ist mittlerweile eine erfolgreiche Growth Company.
Die EU Inc. ist:
Eine echte Chance für Europa. Nicht nur würde sie für einen Transaktionsanwalt wie mich die Beratung im gesamten europäischen Raum ermöglichen, sondern vor allem könnte sie als Gemeinschaftsprojekt zum Momentum in Richtung eines noch integrierteren Wirtschaftssystems werden.
Die Person, die mich beruflich am stärksten geprägt hat:
An der Entwicklung meines Stils als Anwalt, Partner und Teamlead haben Mandanten und Mandate genauso mitgewirkt, wie andere YPOG Partner und natürlich meine Teammitglieder – ich kann mich glücklich schätzen, in all diesen Sphären mit tollen Menschen verbunden zu sein.
Ein Paragraf, der dringend überarbeitet werden sollte:
§§ 55 i.V.m. 2 Abs. 2 GmbHG. Wer schon einmal (internationalen) Investoren erklären musste, warum eine Vollmacht für die Zeichnung neuer GmbH-Anteile notariell beglaubigt werden muss, für den Erwerb bereits bestehender GmbH-Anteile jedoch nicht, kennt den Schmerz.
Künstliche Intelligenz ist für die Rechtsberatung:
Eine tolle und längst überfällige Herausforderung. Repetitive Aufgaben und Dienstleistungen können entweder durch die Kanzleien automatisiert oder direkt von den Mandanten selbst übernommen werden. Was dann an Beratungsbedarf verbleibt, sollte rechtlich spannend, wirtschaftlich relevant und vermutlich attraktiv vergütet sein.
Anwalts- und Kanzleirankings sind:
Wie das Schützen- oder Scheunenfest im Dorf – alle behaupten, es sei uncool, aber dabei sein will schließlich doch jeder.
Eine Vorlesung, die Jura-Studierende auf keinen Fall schwänzen sollten:
Wer die Chance hat, eine Vorlesung von Cass Sunstein (Harvard Law School) zu besuchen, sollte sich diese auf keinen Fall entgehen lassen.
Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:
Das ist eine einfache Frage: Dr. Inka Brunn ist General Counsel bei Rocket Internet und bewegt sich daher seit vielen Jahren mitten in einer Herzkammer des Tech-Ökosystems. Ich kenne Inka bereits sehr lange – ihre wahnsinnig schnelle Auffassungsgabe, Verhandlungsstärke und Fähigkeit, diverse Prozesse in einem anspruchsvollen Umfeld parallel zu managen, haben mich schon immer beeindruckt.
Mehr Most Wanted? Tom Braegelmann | Incoronata Cruciano | Joachim Ponseck | Marc Roberts | Maximilian Riege | Fatima Hussain | Anne Graue | Victoria Fricke | Ann-Kathrin Ludwig | Stephanie Beyrich | Christiane Eymers | Martina Rehman | Martina Flade | Saskia Schlemmer | Marco Buschmann | Neda Wysocki | Anosha Wahidi | Gregor Gysi | Dirk Wiese | Konstantin von Notz | Sabine Stetter | Katharina Humphrey | Jutta Otto | Hanno Kunkel | Alfred Dierlamm | Mohamad El-Ghazi | Jan Philipp Albrecht | Helene Bubrowski | Ali B. Norouzi | Naila Widmaier | Andrej Umansky | Tijen Ataoğlu | Philippos Botsaris | Ralf Leifeld | Holger Dahl | Herta Däubler-Gmelin | Volker Römermann | Jerry Roth | Sebastiaan Moolenaar | Eckart Brödermann | Dominique Grüter | Vivian Kube | Vera Keller | Ronska Grimm | Laurent Lafleur | Kristin Pfeffer | Christina Gassner | Sonja Detlefsen | Lydia Eppler | Charlotte D'Agostino | Natalie Ferdinand | Anika Schürmann | Katharina Landes | Kristin Brocker | Die Übersicht mit allen bisher veröffentlichten Ausgaben finden Sie hier.
Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 02.04.2026 , https://lto-origin-update.connectaserver.de/persistent/a_id/59641 (abgerufen am: 14.04.2026 )
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