Es muss kein Großprojekt sein - was ein sinnvoller Testlauf leisten muss, damit KI in der Rechtsabteilung spürbar Effizienz schafft, beschreibt Viktor von Essen, CEO Libra by Wolters Kluwer.
Montag, 9 Uhr: Die Geschäftsführung braucht eine Entscheidungsgrundlage. Das Vertragswerk kam Freitagabend, in mehreren Fassungen, mit Anlagen, Nachträgen und E-Mails. In diesen Situationen ist Reibung vorprogrammiert: Suchen in getrennten Systemen, Copy-Paste, Kontextverlust beim Fassungsvergleich, mühsames Nachziehen von Fundstellen. KI kann hier als Beschleuniger wirken – wenn sie Zeit spart und nicht den Prüfaufwand erhöht.
Viele Teams haben KI bereits ausprobiert. Oft steigt dabei nur die Tool-Anzahl und damit die Komplexität. Der Aha-Moment entsteht aber erst, wenn KI nicht nebenher läuft, sondern den Prozess direkt im Dokument entlastet. Vor einer Einführungsentscheidung steht deshalb idealerweise ein bewusst begrenzter Testlauf im laufenden Betrieb, ausgehend von diesen beiden Fragen: Welche Arbeitsschritte kosten heute Zeit? Welche lassen sich zuverlässig beschleunigen?
Erster Hebel: Integrierte Arbeitsumgebung statt Toolsammlung
Wenn Recherche, Entwurf, Prüfung und Dokumentenanalyse in einer durchgängigen Umgebung zusammenlaufen, sinkt der Aufwand sofort. Weniger Tool-Wechsel und Kontextverlust, weniger Nacharbeit durch saubere Versionierung und nachvollziehbare Zwischenschritte, bessere Zusammenarbeit ohne E-Mail-Pingpong führen zu weniger Suchzeit und Übertragungen, damit zu einem schnelleren, sauberen Review.
Ein Beispiel für diesen Ansatz ist Libra by Wolters Kluwer: eine KI-gestützte Arbeitsumgebung, die zentrale juristische Aufgaben bündelt. Im Testlauf heißt das praktisch: Anlagenpaket hochladen, Fassungen vergleichen, kritische Klauseln als Themenliste bündeln, Rückfragen an Fachbereiche strukturieren lassen und im selben Kontext am Entwurf weiterarbeiten, ohne Begründungsketten zu verlieren oder Inhalte „blind“ zu übernehmen.
Zweiter Hebel: Keine Aussage ohne Quelle
Die Hauptsorge ist immer die Qualität des KI-Outputs, denn erfundene Entscheidungen, falsche Fundstellen, überzeugend formulierte, aber unzutreffende Aussagen sind haftungs- und reputationsrelevant. Quellenlogik ist daher Mindeststandard. Aussagen müssen auf Gesetz, Rechtsprechung oder redaktionell verantworteten Fachinhalt zurückführbar sein. Wenn Antworten sichtbar an belastbare Quellen gebunden sind, ändert sich die Prüfung: Man sieht nicht nur, was behauptet wird, sondern worauf es beruht und entscheidet schneller, was übernommen werden kann und was nicht.
Dritter Hebel: Datenschutz, Vertraulichkeit, Governance
In Kanzleien und Rechtsabteilungen geht es um sensible Vorgänge. Ein sinnvoller Test prüft daher die Ergebnisqualität und den Rahmen: Rollen- und Berechtigungskonzepte, kontrollierte Datenflüsse, Protokollierung sowie klare Regeln, welche Informationen verarbeitet werden dürfen. Die Einführung von KI ist immer auch ein Steuerungs- und Governance-Projekt.
Sieben Tage, drei Fälle, klare Messwerte
Ein belastbarer Testlauf gelingt mit vier Standardfällen, die regelmäßig vorkommen: (1) Recherche, (2) Fassungsvergleich, (3) Zusammenfassung großer Dokumenten- und Anlagenpakete, (4) Vorbereitung eines Entwurfs inkl. Quellenprüfung. Dazu kommen wenige, harte Prüffragen: Sind Quellen sichtbar? Bleibt Kontext erhalten? Sind Änderungen nachvollziehbar? Wird die Zusammenarbeit einfacher? Wie viel Zeit bis zur entscheidungsreifen Unterlage wird real gespart? So wird KI nicht „gefühlt“, sondern messbar und die Entscheidung für oder gegen den Einsatz einer KI basiert auf Zahlen statt auf Meinungen.
Praxisbeweis: Geschwindigkeit ohne Kontrollverlust
Ein Praxisbeispiel liefert dm-drogerie markt: In einem dynamischen Umfeld mit vielfältigen rechtlichen Anforderungen muss der Rechtsbereich große Dokumentenmengen schnell durchdringen und Entscheidungen intern tragfähig vorbereiten. Der Nutzen entsteht dort, wo Zeit verloren geht: Dokumente strukturieren, Fassungen vergleichen, Risiken priorisieren, Entwürfe unterstützen und die Argumentation an belastbare Quellen binden. Die Einführung der KI führte zu weniger Such- und Übertragungsarbeit und damit schneller zur fertigen Entscheidungsvorlage.
Was sich für Kanzleien und Abrechnung ändert
Wenn Inhouse-Prozesse optimiert werden, steigt auch die Erwartung an die Zusammenarbeit mit Kanzleien. Die „billable hour“ als Maßstab gerät unter Druck, denn Routineanteile werden schneller, während die verbleibenden Aufgaben stärker auf Verhandlung und Entscheidung ausgerichtet sind. Der Mehrwert entsteht weniger durch Zeit, mehr durch Qualität unter Zeitdruck. Alternative Modelle wie Pauschalen, klare Pakete oder Mischmodelle werden attraktiver, ohne dass der Anspruch an anwaltliche Expertise sinkt.
Ein erfolgreicher KI-Testlauf zeigt durch integrierte Abläufe, nachvollziehbare Quellen, verlässliche Governance und bessere Zusammenarbeit, ob Rechtsarbeit messbar schneller und zugleich belastbarer wird. Wenn das innerhalb einer Woche sichtbar ist, entsteht genau der Impuls, den viele suchen: Das will ich im eigenen Workflow sehen.
Über Viktor von Essen
Viktor von Essen, Co-Founder & CEO von Libra by Wolters Kluwer, ist einer der profiliertesten Köpfe der noch jungen LegalTech-Branche. Der Jurist und Unternehmer bringt Erfahrung u. a. vom Bundesverfassungsgericht, ICC Paris, und Freshfields mit. Mit Libra entwickelte er einen sicheren Legal-KI-Workspace, der auf hochwertige Daten zurückgreift und auf dem Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung integriert und nachvollziehbar zusammenlaufen.
Über Libra by Wolters Kluwer
Libra by Wolters Kluwer verbindet GenAI-Workspace und kuratierte Rechtsquellen und zählt zu Europas führenden Legal-AI-Plattformen. Libra wurde 2023 gegründet, 2025 von Wolters Kluwer Legal & Regulatory übernommen; ist DSGVO- und § 203 StGB-konform, ISO 27001-zertifiziert und in der EU gehostet.
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